Handarbeit in der Künstlerpinselmacherei – Wo hochwertige Künstlerpinsel entstehen

In den hellen Werkstätten einer traditionellen Künstlerpinselmacherei arbeiten Meister:innen, Gesell:innen und Auszubildende konzentriert an ihren marmornen Arbeitsplätzen. Die sorgfältige Handarbeit bei der Pinselherstellung prägt die ruhige Atmosphäre, die Besucher beim Betreten oft überrascht. Statt industriellem Lärm erwartet sie eine beinahe atelierartige Stille – Vergleiche mit Labor, Zeichensaal oder Künstleratelier sind daher nicht ungewöhnlich. Nur gelegentlich wird die Ruhe durch rhythmische Klopfgeräusche unterbrochen, deren Takt an Marschmusik oder an Jazzklänge aus New Orleans erinnert.

Folgt man diesem charakteristischen Geräusch, entdeckt man das wichtigste Werkzeug des Pinselmachers: einen kleinen, kartuschenförmigen Messingköcher. Darin wird das Haar- oder Fasermaterial für den jeweiligen Künstlerpinsel vorbereitet. Mit einem präzisen Dreifingergriff füllt der Handwerker das Material ein und klopft den Behälter behutsam auf die Tischplatte. So richten sich die feinen Haare exakt aus – eine entscheidende Voraussetzung für hochwertige Künstlerpinsel und professionelle Malergebnisse.

Vom Haarbündel zum perfekten Künstlerpinsel

Aus dem Gefäß entnommen, wird das feine Haarbündel für den Künstlerpinsel in eine Fadenschlinge gelegt und zwischen den Fingerspitzen sorgfältig gedreht. Durch diese traditionelle Handarbeit entsteht nach und nach eine präzise geformte Spitze. Nach erneutem Umbinden ist die gewünschte Facon dauerhaft fixiert. Währenddessen hält der Pinselmacher den Faden straff – eine Technik, die höchste Konzentration und Erfahrung erfordert.

In die Metallzwinge geschoben, muss die aufgegriffene Haarmenge die Fassung straff füllen. Und das ist eines der Wunder: Nur das Haarquantum für 100 Pinsel ist zur Kontrolle vorher auf der Goldwaage abgewogen. Der Pinselmacher greift mit sicheren Fingerspitzen genau ein 100stel dieser Menge. Unser Staunen über das eingeübte Maßgefühl erfährt noch eine Steigerung, wenn wir bedenken, dass z.B. für Rotmarderpinsel der Größe 10/0 - 0,010 Gramm, für Größe 12 - 1,11 und für die Größe 24 - 4,12 Gramm Haare aufgegriffen werden müssen.

Erst beim Betrachten der vielen Größen und Formen, der mannigfachen Beschaffenheit der Haare wird der ganze Umfang an Geschicklichkeit deutlich, den ein Pinselmacher beherrschen muss. Mancher qualitätsentscheidende Kniff ist sogar unnachahmlich.

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Handwerk und Präzision

Nur Messer und Schere braucht der Pinselmacher zur Arbeit, die Schere zum Durchschneiden des Fadens, das Messer um gelegentlich verkehrtliegende oder stumpfe Haare und Borsten entfernen zu können. Der Gedanke aber, einen Künstlerpinsel mit der Klinge zu fassonieren, lässt jeden Pinselmacher blass werden. Die von Hand gearbeitete Form war und wird auch in Zukunft das wesentliche Qualitätsmerkmal eines guten Künstlerpinsels bleiben.

Ein Pinsel wird in unserem Hause nie mit Messer oder Schere geformt.

Das Verkitten der Pinselhaare mit der Zwinge besorgt eine Dosiermaschine. Sie füllt den Innenraum der Hülse mit einem modernen 2-Komponentenklebstoff. Alle Haare sind nach dem Aushärten fest verankert. Abschließend werden weitere Maschinen benützt. Zwinge und Holzstiel bekommen in der Presse eine starre Verbindung. Ein Stempel übernimmt das Einprägen der Größenangaben und der Wortmarke.

Noch einmal durchläuft jeder Pinsel eine Kontrolle auf Festigkeit und einwandfreien Schluss. Sorgfältig verpackt darf er dann verreisen, vielleicht über Gebirge und Ozeane, an irgendeinen Ort der weiten Welt.

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